Das Rascheln der Blätter im stetigen Wind hatten eine beruhigende Wirkung, sogar für Kuraiko, der ansonten meistens immer vorsichtig und bedacht handelte. Die Geschwister hatten schon einen langen Ritt hinter sich, und hatten immer noch eine ziemlich lange Strecke vor ihnen. In letzter Zeit waren sie viel umhergereist, auf der Fluch vor weiteren schwarzen Gestalten, die ihnen - oder wohl besser Kuraiko - nach dem Leben trachteten. Es gab aber auch noch einen anderen Grund, warum er den Weg nach Harie eingeschlagen hatte. Er wollte dort etwas erledigen, etwas, was nicht gerade im alltäglichen Leben eines jeden vorkommt. Piraten gab es dort, in großer Zahl und ohne jegliche Furcht, so scheint es zumindest. Gesagt wird einem immer, dass man sich von diesen Hallunken fernhalten sollte. Es gab da ein altes Sprichwort in dem kleinen Dorf, das vor langer Zeit seine Heimat gewesen war - zugegeben, es gab dort sehr viele verschiedene, eines davon war eben das der Seeleute. "Halte dich bloß von diesen Gaunern fern, traue ihnen niemals, sonst bist du schon im nächsten Moment ärmer, als du es für möglich gehalten hast."
Er wollte aber trotzdem nichts unversucht lassen. Piraten sollten ja die interessantesten Schätze in ihrem Besitz haben. Vielleicht gab es auch etwas, das ihm von Nutzen sein konnte. genau deshalb waren sie vor sechs Monaten nach Turalas aufgebrochen. Dort hatte er einen Bekannten gehabt, der jedoch leider...tot war, als er mit seiner Schwester dort ankam. Man hatte ihn zwar in die Stadt gelassen, ihn jedoch äußerst argwöhnisch und mit größtem Misstrauen empfangen. Erst etwas später hatte er herausgefunden, was der Grund für dieses Verhalten gewesen war. Es hatte eine Schlacht stattgefunden. Eine einfache und primitive Schlacht, in der eine Armee gegen die andere kämpfte. Für ihn war dieses Geschehniss nicht spannender, als einem Baum beim Wachsen zuzusehen. Solche Kinkerlitzchen waren einfach nicht das Richtige für ihn. Er brauchte mehr Nervenkitizel, etwas, wo all seine Tricks und unfairen Methoden einsetzen konnte. Aber genug davon.
Gleich darauf hatte er sich in den Kopf gesetzt, zu den Seeräubern zu reisen und ihnen einen Handel vorzuschlagen, wenn sie etwas hätten, was in seinen Interessen lag. Wenn sie auf dumme Gedanken kämen - ihn ausrauben oder niederschlagen wollten - würde er sich schon wehren können.
"Über was denkst du gerade nach, Bruder?" Kuraiko war so in seinen Gedanke versunken gewesen, dass er Sayos Erwachen überhaupt nicht bemerkt hatte. "Ach...ich habe nur wieder darüber nachgedacht, wohin wir ketzt genau gehen werden und wie lange unsere Reise wohl noch dauern wird. Mach dir keine Sorgen, ja?", war das einzige, was er darauf antwortete. "Können wir weiterreisen?" Sayo nickte zwar, aber ihr war anzusehen, dass sie nicht ganz einverstanden war mit dem Plan, den ihr Bruder da hatte. Du redest immer nur von weiterziehen, ob es mir gut gehe, sorgst dich pberhaupt nur um mich, aber nicht um dich! Was denkst du dir dabei eigentlich? Du kannst nich immer nur an das denken, was ich möchte, du musst auch mal etwas für dich tun..." Damit hatte Kuraiko jetzt nicht gerechnet, verdutzt starrte er Sayo an und überlegte fieberhaft, was er jetzt tun sollte. Endlich, nach einigen Sekunden des Schweigens hatte er sich wieder im Griff und antwortete ruhig und gelassen: "Ich muss doch auf dich aufpassen, Sayo. Ich selbst komme erst an zweiter Stelle, das habe ich mir geschworen."
Der Rest war eigentlich ziemlich einfach. Sayo gab noch ein paar Sätze von sich, dann stand sie auf und rannte davon. So war sie nun mal. Wenn sie etwas aufregte, wollte sie allein sein. Ihn Bruder sollte sie nicht für schwach halten, weil sie weinte. Das Mädchen rannte und rannte, bis sie auf einen ausgetretenen, von zahlreichen Hufen flachgestampften Weg erreichte und etwas langsamer wurde. Vor ihr, in einiger Entfernung waren einige Menschen - gut, es war wohl eher eine Gruppe von vielen Menschen, oder was auch immer - und bauten Zelte auf. Karren und Wägen mit Lebensmitteln und anderen Sachen standen etwas abseits. Über Sayo kreiste ein Flugwesen in der Luft, ähnlich einem Greifvogel nur viel, viel, viel größer. Sie hatte so etwas noch nie gesehen und - um ganz ehrlich zu sein - auch noch nie davon gehört. Langsam lief sie näher, wusste nicht was sie da wie magisch anzog. Ihr war aber dennoch ganz genau bewusst, dass ihr Bruder das nicht gutheißen würde. Sayo beobachtete die Menschen eine Zeit lang und sah die fröhlichen Gesichter der Kinder, die lachend um die Zelte stürmten, aber auch traurige, ganz so, als wäre eine schlimme Tragödie geschehen...Eine Frau stand auf einem Kutschbbock und schien Worte zu murmeln, obwohl niemand in ihrer direkten Nähe stand, außer ein Mann auf einem Pferd, der sich allerdings nicht angesprochen fühlte.
Da Sayo nicht recht wusste, was jetzt zu tun angebracht war, blieb sie einfach einmal stehen und besah sich der allgemeinen Lage der Menschen. Wie war der Name solcher wandernden Leute nochmal? Sie hatte ihn wohl vergessen...Naja vielleicht würde sie Kuraiko später einmal danach fragen...Nein, das war definitiv keine gute Idee...Dann würde er bestimmt wütend werden...
Bevor Kuraiko richtig reagieren konnte, war Sayo auch schon in dem Wald verschwunden. Es blieb ihm also nur eine Möglichkeit, er musste sie suchen gehen. Alleine lassen konnte er sie ganz bestimmt nicht. Mit einem kurzen "Ihr bleibt solange hier!" wies er ihre Begleiter, den schneeweißen Leoparden und die seltsame Werkatze zurück und rannte seiner Schwester hinterher, nur um dann festzustellen, dass die Werkatze seine Aufforderungen wieder einmal missachtet und ihm trotzdem gefolgt war. "Na schön, dann kommst du eben mit!" Es war eindeutig besser, Yuuna für diese Zeit zurückzulassen, wenn einer der schwarzen Männer ihn hier schnappen würde, hatte Sayo wenigstens eine Möglichkeit schnell hier zu verschwinden, auf einem Schneekeoparden zu reiten war viel entspannender als auf einem Pferd oder sonst was. Erst jetzt konnte Kuraiko den Geruch des Meeres riechen, es konnte also nicht mehr weit bis zur nächsten Stadt sein.
Als er die Umrisse eines Zeltes erkannte, blieb er verdutzt stehen. Sayo war doch etwa nicht hier hineingelaufen, oder etwa doch?
(Scheiße ist der Post lang...=